Wie „Band der Götter“ entstand
Die Geschichte hinter der Geschichte

Manchmal reicht ein einziges Bild, um etwas in einem auszulösen. Bei mir war es vor vielen Jahren ein Bild in einem Internetforum. Es zeigte Luzifers Sturz aus dem Himmel. Ich weiß bis heute nicht, wer es gemalt hat, aber ich weiß noch genau, was ich dabei empfunden habe.
Wie alles begann
Mich hat nicht der Teufel fasziniert. Mich hat der gefallene Engel fasziniert.
Vielleicht, weil ich selbst nie viel mit einfachen Antworten anfangen konnte. Für mich war Luzifer nie einfach nur das personifizierte Böse. Ich habe mich gefragt, was passieren musste, damit aus einem Engel der größte Feind Gottes wurde. Ob hinter all dem Zorn nicht auch Schmerz, Enttäuschung oder Einsamkeit steckten.
Aus diesen Gedanken entstand irgendwann eine Idee.
Nicht in irgendeinen Menschen, sondern in eine Frau namens Abby, die alles verkörpert, was er verachtet. Eine Liebe, gegen die er sich mit aller Macht wehrt. Eine Liebe, die ihn schwach macht. Und eine Liebe, die sein ganzes Weltbild ins Wanken bringt.
Schon von Anfang an wusste ich, dass Abby weit mehr ist als ein gewöhnlicher Mensch. Dass sie sich als Nachfahrin der mächtigsten Gottheit entpuppen würde, gehörte von Beginn an zu ihrer Geschichte. Ihre Mutter gab ihr den Namen Aurora. Doch für Luzifer war sie zuerst Abby, der Mensch, den er niemals hätte lieben dürfen.
Von Anfang an war klar, dass sie für Luzifer alles verändern würde. Sie sollte die Einzige sein, die ihn retten konnte. Gleichzeitig würde genau diese Liebe auch sein Untergang werden. Denn in dem Moment, in dem er sie zulässt, gibt es kein Zurück mehr.
Wenn ich heute zurückblicke, begann Band der Götter nicht mit einer Welt voller Engel, Dämonen und Götter. Es begann mit einer einzigen Frage.
Warum ausgerechnet Luzifer?
Viele Leser haben mich gefragt, warum ich ausgerechnet Luzifer in den Mittelpunkt der Geschichte gestellt habe.
Die Antwort ist eigentlich einfach. Mich hat das Dunkle schon immer fasziniert. Nicht, weil ich das Böse verherrliche, sondern weil mich Figuren interessieren, die nicht eindeutig sind.
Luzifer wird fast immer nur als das Böse dargestellt. Genau das hat mich neugierig gemacht. Ich wollte wissen, ob hinter dieser Figur nicht viel mehr steckt. Was muss passieren, damit ein Engel zu dem wird, was wir heute in ihm sehen? Gibt es einen Weg zurück oder ist alles für immer verloren?
Beim Schreiben war mir eines von Anfang an wichtig. Mein Luzifer sollte kein eindimensionaler Bösewicht sein. Trotz allem, was ihm widerfahren ist, trägt er tief in seinem Inneren noch immer den Wunsch, nach Hause zurückzukehren. Zu den Engeln. Zu seinem Gottvater.
Dieser Wunsch macht ihn für mich greifbar. Er macht Fehler, trifft falsche Entscheidungen und verletzt andere. Trotzdem wollte ich, dass die Leser ihn nicht nur verurteilen, sondern verstehen. Sie müssen ihn nicht mögen. Aber vielleicht sehen sie ihn nach dem Lesen mit anderen Augen.
Genau das war mein Ziel.
Warum Abby?
Von Anfang an war für mich klar, dass Abby ein Mensch sein musste. Sie sollte der Gegenpol zu Luzifer sein. Er verachtet die Menschen. Für ihn sind sie eine schwache Spezies, fehlerhaft und seiner Aufmerksamkeit nicht würdig. Gerade deshalb musste ausgerechnet ein Mensch die Einzige werden, die seine Überzeugungen ins Wanken bringt.
Abby war nie als klassische Heldin geplant. Zu Beginn hadert sie mit ihrem eintönigen Leben. Sie hat sich in ihrer vertrauten Welt eingerichtet und würde sie aus eigener Entscheidung vermutlich nie verlassen.
Die Liebe zu ihrer Schwester zwingt sie jedoch zu einer Reise, die sie unter normalen Umständen nicht angetreten hätte. Gleichzeitig wird sie von Visionen geplagt, die immer stärker werden. Irgendwann bleibt ihr keine Wahl mehr. Sie muss ihre Komfortzone verlassen und sich auf einen Weg begeben, dessen Ziel sie selbst noch nicht kennt.
Abby ist dickköpfig, mutig, besserwisserisch und vor allem menschlich. Sie hat Angst, zweifelt und liegt nicht immer richtig. Trotzdem geht sie weiter. Vielleicht steckt deshalb von allen Figuren am meisten von mir in ihr.
Warum sich ausgerechnet Abby und Luzifer begegnen, ist kein Zufall. Das Schicksal hatte es immer so vorgesehen.
Warum Engel und Götter?
Viele Geschichten beschränken sich auf Himmel und Hölle. Für mich war das nie genug.
Schon als Kind habe ich mir verschiedene magische Welten vorgestellt. In meiner Fantasie gab es nicht nur Gut und Böse, sondern viele Orte mit eigenen Regeln, Wesen und Geschichten. Diese Welt auf Schwarz und Weiß zu reduzieren, hätte mir nicht gereicht.
Als ich begann, Band der Götter zu schreiben, war für mich schnell klar, dass ich Engel und Götter miteinander verbinden wollte. Warum ausgerechnet diese beiden? Ehrlich gesagt kann ich das nicht beantworten. Die Idee war einfach da und fühlte sich richtig an.
Mich reizte besonders das Spiel mit dem Schicksal. Die Frage, ob ein Weg wirklich vorherbestimmt ist oder ob wir ihn durch unsere Entscheidungen verändern können, zieht sich durch die ganze Geschichte.
Mir war außerdem wichtig, keine Geschichte zu schreiben, die sich streng an der Bibel orientiert. Ich wollte etwas Eigenes erschaffen. Es gibt auf jede Geschichte verschiedene Blickwinkel. Band der Götter erzählt deshalb keine bekannte Überlieferung nach, sondern folgt seinen eigenen Regeln.
Wenn Figuren ihren eigenen Weg gehen
Ich plane meine Figuren teils im Voraus und lasse ihnen teils Raum, sich während des Schreibens zu entwickeln. Luzifer und Abby standen von Anfang an fest. Ich wusste, welche Rolle sie spielen und wohin ihr gemeinsamer Weg führen sollte.
Viele andere Charaktere entwickelten sich erst im Laufe der Geschichte. Je länger ich mit ihnen arbeitete, desto deutlicher wurden ihre Stimmen, ihre Wünsche und ihre eigenen Entscheidungen.
Am meisten überrascht hat mich ausgerechnet Luzifer. Obwohl seine Grundidee feststand, wurde er während des Schreibens vielschichtiger, als ich ursprünglich erwartet hatte.
Auch Mithral entwickelte sich völlig anders. Ursprünglich war er nur einer von Luzifers Schergen. Doch nach und nach bekam er mehr Tiefe und wurde zu einer Figur mit einer eigenen Geschichte.
Und ja, ich musste mich auch von Figuren verabschieden, obwohl ich das nicht wollte. Wenn die Geschichte diesen Weg verlangt, kann ich ihn nicht immer verhindern. Gerade solche Szenen gehören zu den schwersten Momenten beim Schreiben.
Vom ersten Satz bis zum fertigen Buch
An Band der Götter habe ich rund zwei Jahre gearbeitet. Für mich war von Anfang an klar, dass diese Geschichte mehr Raum braucht. Sie war nie als Einzelband gedacht, sondern als Reihe.
Geschrieben habe ich jeden Tag. Es gab Tage, an denen die Worte leicht kamen, und andere, an denen ich um jede Seite kämpfen musste. Natürlich gab es auch Momente, in denen ich alles hinschmeißen wollte. Der Wunsch, die Geschichte zu Ende zu erzählen, war am Ende aber immer stärker.
Am schwersten fiel mir das letzte Kapitel, in dem Luzifer stirbt. Ich wusste, dass dieser Moment zur Geschichte gehört. Leicht wurde er dadurch nicht.
Den stärksten Moment erlebte ich allerdings schon im Prolog. Bereits beim Schreiben bekam ich Gänsehaut. Als ich den letzten Satz geschrieben hatte, liefen mir die Tränen. In diesem Moment wusste ich, dass ich diese Geschichte bis zum Ende erzählen würde.
Mein Schreibtisch war damals selten ordentlich. Überall lagen Notizen, bunte Marker und lose Zettel. Daneben standen meist ein Energy-Drink und Zigaretten. Manchmal lief Musik im Hintergrund und begleitete die Szene, an der ich gerade schrieb.
Bis zur Veröffentlichung entstand Band der Götter in vier Fassungen. Ich habe laufend verbessert, gekürzt und verfeinert. Trotzdem blieb die Geschichte immer nah an ihrem Ursprung.
Die Welt hinter Band der Götter
Nicht nur die Figuren sind mit der Zeit gewachsen, sondern auch ihre Welt.
Der Name Draamalis leitet sich vom englischen Wort dreams ab. Träume spielen in der Geschichte eine wichtige Rolle, deshalb passte dieser Name von Anfang an.
Luminisia steht für das Licht. Aranthia entstand aus einer eigenen Idee heraus. Manchmal fühlt sich ein Name einfach richtig an, ohne dass ich lange nach einer Erklärung suche.
Endlessia ist das entlegenste aller Reiche und zugleich die Heimat der Mächtigsten. Für mich vereint es Anfang und Ende. Firedrakia ist das Land der Drachen. Der Name sollte diese Verbindung sofort spürbar machen.
Eine Karte habe ich nie gezeichnet. Die gesamte Welt existierte von Anfang an in meinem Kopf. Ich wusste, wo die einzelnen Reiche liegen, wie sie aussehen und wie sie miteinander verbunden sind.
Wenn ich einen Ort aus Band der Götter besuchen dürfte, müsste ich nicht lange überlegen. Es wäre Draamalis.
Am meisten Freude hatte ich beim Schreiben von Matsuo Kouzan. Dieser Ort wurde von realen Landschaften inspiriert und gehört bis heute zu meinen liebsten Schauplätzen der Geschichte.
Was Band der Götter für mich bedeutet
Band der Götter ist der Beginn meiner Reise als Autorin. Mit dieser Geschichte habe ich angefangen, meine Fantasie nicht mehr nur für mich zu behalten, sondern sie mit anderen Menschen zu teilen.
Wenn es eine Botschaft gibt, die ich meinen Lesern mitgeben möchte, dann diese: Die Welt ist nicht schwarz und weiß. Sie ist bunt und sie kann Schatten haben. Menschen und Figuren lassen sich nicht einfach in Gut und Böse einteilen. Oft lohnt sich ein zweiter Blick.
Von allen Figuren trägt Abby am meisten von mir in sich. Nicht, weil wir dieselben Erlebnisse teilen, sondern weil ich ihre Sturheit, ihre Zweifel und ihren Mut gut nachvollziehen kann.
Würde ich das Buch heute noch einmal schreiben, würde ich vielleicht Kleinigkeiten verändern oder manche Formulierung anders lösen. Die grundlegenden Dinge würde ich nicht ändern. Es ist die Geschichte, die ich erzählen wollte.
Was ich mir wünsche, wenn jemand die letzte Seite schließt? Dass das Buch nicht einfach zur Seite gelegt wird, sondern nur eine Frage bleibt: Wie geht es weiter?
10 Dinge, die du vielleicht noch nicht über Band der Götter wusstest
- Die Idee entstand durch ein Bild von Luzifers Sturz aus dem Himmel, das ich in einem Internetforum gesehen habe.
- Von Anfang an war klar, dass Luzifer nicht einfach nur der Böse sein sollte.
- Abby war von der ersten Idee an als Mensch geplant. Sie sollte der Gegenpol zu Luzifer sein.
- Schon zu Beginn stand fest, dass Abby weit mehr als ein gewöhnlicher Mensch und die Nachfahrin der mächtigsten Gottheit ist.
- An Band der Götter habe ich rund zwei Jahre lang jeden Tag gearbeitet.
- Das Manuskript entstand in vier Fassungen, blieb im Kern aber nah an der ursprünglichen Idee.
- Der Prolog war die erste Szene, bei der ich selbst Gänsehaut bekam und am Ende weinen musste.
- Am schwersten fiel mir das letzte Kapitel und Luzifers Tod.
- Die Welt existierte vollständig in meinem Kopf. Eine Karte habe ich nie gezeichnet.
- Wenn ich einen Ort besuchen dürfte, wäre es ohne zu überlegen Draamalis.
Ein Blick zurück
Es gab einen Moment, in dem ich wusste, dass Band der Götter veröffentlicht wird. Von diesem Augenblick an gab es kein Zurück mehr. Die Geschichte sollte nicht länger nur mir gehören.
Als ich das erste gedruckte Exemplar in den Händen hielt, war aus einer Idee, die so lange nur in meinem Kopf existiert hatte, plötzlich ein echtes Buch geworden.
Wenn ich heute auf diese Zeit zurückblicke, denke ich daran, wie alles mit einem einzigen Bild begann. Damals konnte ich nicht wissen, wohin mich diese Geschichte führen würde. Heute weiß ich, dass Band der Götter der Anfang einer Reise war, die bis heute andauert.
🖤 Jana
Häufige Fragen zu Band der Götter
Ist Band der Götter ein Einzelband?
Nein. Die Geschichte war von Anfang an als Reihe geplant.
Wie lange hat Jana Nikodemus an Band der Götter geschrieben?
Die Arbeit am Buch dauerte rund zwei Jahre. In dieser Zeit schrieb Jana Nikodemus täglich.
Ist die Geschichte eine Nacherzählung der Bibel?
Nein. Die Reihe greift Engel, Luzifer und mythologische Motive auf, folgt aber einer eigenständigen Fantasywelt mit eigenen Regeln.
Wer ist Abby?
Abby beginnt ihre Reise als Mensch und als bewusster Gegenpol zu Luzifer. Im Verlauf der Geschichte offenbart sich ihre Verbindung zur mächtigsten Gottheit.
Welche Genres verbindet Band der Götter?
Die Reihe verbindet Dark Fantasy, Urban Fantasy, Engelmythologie, Götterwelten und eine schicksalhafte Liebesgeschichte.